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24. April 2016
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Neue Osnabrücker Zeitung

Schaut sie zu Beginn noch, ganz Teenager, fröhlich lachend durch die Tür der Garderobe in den Saal, so verwandelt sie sich beim Platznehmen am Flügel in eine erstaunlich reife Musikerin. Ist der Bach zu Beginn noch etwas wie ein „Aufwärmtraining“, so verblüffte sie spätestens bei der folgenden C-Dur Sonate Beethovens.

Nicht nur ihr hoher technischer Standard begeistert dabei. Vielmehr merkt man ab der ersten Note, dass sie dieses Können nutzt, um sich frei dem Werk nähern zu können. Die Interpretation des Beethovens fiel dabei erfrischend modern aus, kein Wunder, beinhaltet die Sonate wirklich peppig-funkige Passagen. Liang spielt das alles Gottlob nicht „akademisch“ streng, sondern weiß dem Ganzen eigene Seiten abzugewinnen, dadurch wird diese Sonate erstaunlich frisch.

Nach der Pause dann zwei wirkliche Brocken der Literatur, Schumanns Fantasiestücke op. 12 und Liszts Tarantella aus „Venezia e Napoli“. Hier offenbart Liang eine ganz besondere Gabe. Sie besitzt die Fähigkeit, den ihr anvertrauten Notentext in reichen musikalischen Farben zu erzählen. Faszinierend dabei auch zu beobachten, wie sie sich auf die Musik konzentrieren, sich in ihr versenken kann.

Das Publikum nahm diese Art des Musizierens mit, war der Interpretin und den Werken spürbar nahe. Solch eine Atmosphäre zu schaffen, zeugt von besonderem Können.

Hanni Liang – ein Name, den sich nicht nur der Klavierfreund merken sollte.